Woher kommt das Wort „Cocktail“?

Das Wort taucht 1803 erstmals in einer Zeitung aus New Hampshire auf. Die erste schriftliche Definition liefert 1806 die New Yorker Zeitung The Balance and Columbian Repository: Ein Cocktail sei eine Mischung aus Spirituose, Zucker, Wasser und Bitters. Woher der Begriff genau stammt, ist bis heute nicht geklärt. Die bekanntesten Theorien:

  • Der Hahnenschwanz: Wörtlich bedeutet „cock tail“ Hahnenschwanz. Angeblich wurden Drinks früher mit Hahnenfedern dekoriert – Belege dafür gibt es kaum.
  • Der gestutzte Pferdeschwanz: Im England des 18. Jahrhunderts erhielten Pferde ohne reine Abstammung einen gestutzten Schwanz, sie waren „cock-tailed“. Der Begriff stand damit für etwas Gemischtes – passend für einen Mixdrink.
  • Der Rest aus dem Zapfhahn: „Cock“ bezeichnete auch den Hahn eines Fasses. Die Reste daraus sollen zusammengeschüttet und günstig verkauft worden sein.
  • Der französische Eierbecher: Lange hieß es, der Name gehe auf den „coquetier“ zurück, aus dem in New Orleans gemischte Drinks serviert wurden. Zeitlich passt das allerdings nicht – das Wort war schon vorher in Gebrauch.

Cocktails, die nach Personen benannt sind

Negroni

Der wohl berühmteste Fall: Um 1919 bat Graf Camillo Negroni im Caffè Casoni in Florenz darum, seinen Americano kräftiger zu machen. Barkeeper Fosco Scarselli ersetzte das Sodawasser durch Gin und die Zitronen- durch eine Orangenzeste. Der Drink wurde nach dem Gast benannt. Eine Nebenlinie der Familie Negroni beansprucht die Erfindung allerdings ebenfalls für sich.

Tom Collins

Hinter diesem Namen steckt ein Scherz: 1874 kursierte in New York der „Tom Collins Hoax“. Man erzählte Bekannten, ein gewisser Tom Collins rede in einer nahen Bar schlecht über sie – einen Mann, den es nicht gab. Barkeeper griffen die Geschichte auf und servierten einen „Tom Collins“, wenn jemand nach ihm fragte. Als Vorbild gilt zudem John Collins, ein Kellner im Londoner Limmer’s Hotel.

Bloody Mary

Erfunden wurde die Bloody Mary vermutlich in den 1920er-Jahren von Fernand Petiot in Harry’s New York Bar in Paris. Beim Namen gehen die Meinungen auseinander: Die einen verweisen auf die englische Königin Maria I., die den Beinamen „Bloody Mary“ trug, die anderen auf einen Barbesucher oder eine Kellnerin namens Mary. Als Petiot später in New York arbeitete, sollte der Drink dort zeitweise „Red Snapper“ heißen, weil der Originalname als zu derb galt.

Cocktails, die nach Orten benannt sind

Daiquiri

Daiquirí ist ein Strand und Ort nahe Santiago de Cuba. Um 1900 soll dort der amerikanische Bergbauingenieur Jennings Cox Rum mit Limette und Zucker gemischt haben. Der Drink übernahm einfach den Namen des Ortes. Weltbekannt wurde er später durch die Bar El Floridita in Havanna, in der Ernest Hemingway regelmäßig zu Gast war.

Manhattan

Als plausibelste Version gilt heute die Geschichte um den Gastronomen George Black, der in den 1860er- oder 1870er-Jahren am Broadway die Bar „Manhattan Inn“ betrieben haben soll. Der Drink wurde demnach schlicht nach seinem Lokal benannt – gestützt auf Aufzeichnungen des New Yorker Barkeepers William F. Mulhall von 1923. Die oft erzählte Geschichte, Lady Randolph Churchill habe den Drink im Manhattan Club bestellt, gilt dagegen als widerlegt.

Moscow Mule

Der Moscow Mule ist ein Marketing-Kind: 1941 suchten John G. Martin, der Wodka der Marke Smirnoff vertrieb, und Jack Morgan, Besitzer der Bar Cock ’n’ Bull in Los Angeles, einen Abnehmer für Wodka und Ginger Beer. „Moscow“ steht für den Wodka, „Mule“ (Maultier) für den Tritt, den der Ingwer verpasst. Serviert wurde der Drink im Kupferbecher, der bis heute sein Markenzeichen ist.

Wenn die Sprache den Namen macht

Margarita

„Margarita“ ist Spanisch für Gänseblümchen – auf Englisch „Daisy“. Und genau so hieß eine ganze Cocktailfamilie aus Spirituose, Zitrusfrucht und Orangenlikör. Die Margarita ist demnach schlicht ein Tequila Daisy. Daneben gibt es zahlreiche Legenden um Frauen namens Margarita, für die der Drink erfunden worden sein soll.

Mojito

Zwei Erklärungen sind verbreitet: Der Name könnte von „Mojo“ stammen, einer kubanischen Marinade mit Limette, oder von „mojadito“, Spanisch für „ein bisschen nass“. Als Vorläufer gilt der „Draque“, der sich auf den englischen Seefahrer Francis Drake beziehen soll. Berühmt wurde der Mojito später durch die Bar La Bodeguita del Medio in Havanna.

Caipirinha

Der Name ist die Verkleinerungsform von „caipira“, im Brasilianischen ein Wort für Landbewohner. Frei übersetzt bedeutet Caipirinha also „kleines Landmädchen“ – ein Hinweis auf die ländliche Herkunft des Drinks aus Cachaça, Limette und Zucker. Heute gilt die Caipirinha als Nationalcocktail Brasiliens.

Spritz

Hier steckt Deutsch drin: Im 19. Jahrhundert, als Venetien zum Habsburgerreich gehörte, sollen österreichische Soldaten den kräftigen Wein der Region mit Wasser „gespritzt“ haben. Aus dem Weinschorle-Prinzip entwickelte sich später der Spritz mit Bitterlikören wie Aperol oder Campari. Die Variante mit Prosecco setzte sich ab der Mitte des 20. Jahrhunderts durch.

Piña Colada

Piña Colada heißt auf Spanisch „gesiebte Ananas“. Als Erfinder gilt Ramón „Monchito“ Marrero, der den Drink 1954 im Caribe Hilton in San Juan kreiert haben soll. Die Bar Barrachina in San Juan beansprucht die Erfindung allerdings ebenfalls für sich. Seit 1978 ist die Piña Colada das Nationalgetränk von Puerto Rico.

Mai Tai

1944 mixte Victor Bergeron, besser bekannt als Trader Vic, in Oakland einen Rumdrink für Freunde aus Tahiti. Deren Reaktion: „Maita’i roa ae!“ – auf Tahitianisch so viel wie „Nicht von dieser Welt!“. Den Namen hatte der Drink damit weg. Auch Donn Beach, Pionier der Tiki-Bars, beanspruchte später einen Mai Tai für sich.

Namen aus Geschichte und Legenden

Cuba Libre

Nach dem Spanisch-Amerikanischen Krieg um 1900 sollen in Havanna amerikanische Soldaten Rum mit Coca-Cola gemischt und dazu „¡Por Cuba libre!“ – „Auf ein freies Kuba!“ – angestoßen haben. Der Trinkspruch wurde zum Namen. Der Drink verbindet damit zwei Symbole seiner Zeit: kubanischen Rum und die damals noch junge Cola aus den USA.

Old Fashioned

Ende des 19. Jahrhunderts kamen immer neue Zutaten wie Liköre und Wermut in die Gläser. Wer den ursprünglichen Cocktail aus Whiskey, Zucker, Wasser und Bitters wollte, bestellte ihn „old-fashioned“ – nach alter Art. Damit ist der Old Fashioned ziemlich genau das, was 1806 als Cocktail definiert wurde.

Martini

Beim Martini konkurrieren drei Theorien. Die erste führt zum „Martinez“, einem süßlichen Vorläufer, benannt nach einer Stadt in Kalifornien. Die zweite verweist auf den Wermut von Martini & Rossi, nach dem Gäste schlicht gefragt haben könnten. Die dritte nennt Barkeeper Martini di Arma di Taggia aus dem New Yorker Knickerbocker Hotel – der mixte seinen Dry Martini aber erst um 1911, als der Name längst in Barbüchern stand.

Hugo

Der Hugo ist ein junger Klassiker: Er entstand 2005 in Südtirol, als Erfinder gilt Barkeeper Roland Gruber aus Naturns. Ursprünglich soll er mit Melissensirup gemixt worden sein, durchgesetzt hat sich die Variante mit Holunderblütensirup, Prosecco, Minze und Limette. Eine tiefere Bedeutung hat der Name nach allem, was bekannt ist, nicht – er sollte vor allem eingängig sein.

Übersicht: Cocktailnamen und ihre Herkunft

Cocktail Namensherkunft Ursprung
Negroni Graf Camillo Negroni Florenz, um 1919
Tom Collins Scherz „Tom Collins Hoax“ New York, 1874
Bloody Mary Maria I. oder eine Mary aus der Bar Paris, 1920er
Daiquiri Strand und Ort auf Kuba Kuba, um 1900
Manhattan Bar „Manhattan Inn“ am Broadway New York, 1860er/1870er
Moscow Mule Wodka („Moscow“) und Ingwer-Kick („Mule“) Los Angeles, 1941
Margarita Spanisch für „Gänseblümchen“ (Daisy) Mexiko/USA, 1930er–40er
Mojito „Mojo“ oder „mojadito“ Kuba
Caipirinha „Kleines Landmädchen“ Brasilien
Spritz Deutsch „spritzen“ Venetien, 19. Jh.
Piña Colada „Gesiebte Ananas“ Puerto Rico, 1954
Mai Tai Tahitianisch „Nicht von dieser Welt“ Oakland, 1944
Cuba Libre Trinkspruch „Auf ein freies Kuba“ Havanna, um 1900
Old Fashioned Bestellung „nach alter Art“ USA, spätes 19. Jh.
Martini Vorläufer Martinez, Wermutmarke oder Barkeeper USA, 1880er
Hugo Eingängiger Vorname Südtirol, 2005

Häufige Fragen zu Cocktailnamen

Was bedeutet das Wort Cocktail wörtlich?

Wörtlich übersetzt heißt „cock tail“ Hahnenschwanz. Ob der Name tatsächlich daher kommt, ist nicht belegt – es gibt mehrere konkurrierende Theorien.

Wann wurde das Wort Cocktail zum ersten Mal verwendet?

Die erste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1803, die erste Definition aus dem Jahr 1806 – beide aus amerikanischen Zeitungen.

Warum haben so viele Cocktails spanische Namen?

Viele Klassiker stammen aus Kuba, Mexiko, Puerto Rico und anderen Regionen mit spanischsprachiger Tradition, in denen Rum und Tequila hergestellt werden. Die Namen beschreiben dort oft Zutaten, Zubereitung oder Herkunftsorte.

Welcher Cocktailname ist nach einer echten Person benannt?

Am besten belegt ist der Negroni, benannt nach Graf Camillo Negroni. Auch beim Tom Collins und bei der Bloody Mary spielen Personen eine Rolle, die genaue Herkunft ist dort aber weniger eindeutig.

Fazit

Cocktailnamen erzählen kleine Geschichten über Orte, Menschen und Sprachen. Manche sind gut dokumentiert, viele leben von Legenden, die Barkeeper über Generationen weitergegeben haben.