1. Was ist bei Dooley's passiert?

Ab dem 1. Oktober besteht das Sortiment von Dooley's wieder aus Likören auf Sahnebasis. Die bisherigen Pflanzenbasis-Varianten werden eingestellt. Zurück kommen der originale Dooley's Toffee und der bekannte Dooley's White Chocolate. Die Begründung von Waldemar Behn ist deutlich: Man sei mit der Umstellung auf Plant-based „zu früh am deutschen Markt“ gewesen, die Schnittmenge an Konsumentinnen und Konsumenten, die gleichzeitig Cremeliköre genießen und auf tierische Inhaltsstoffe verzichten möchten, sei „heute noch zu klein“. Die Umsätze hätten sich nicht wie erhofft entwickelt, während die Rufe aus der Community nach der alten Rezeptur immer lauter wurden. International habe man die Original-Rezeptur ohnehin nie umgestellt – die Rückkehr zur Sahne vereinheitliche also auch den nationalen und internationalen Markenauftritt.

2. War die Umstellung auf Plant-based eigentlich naheliegend?

Schaut man sich die aktuellen Marktbewegungen an, wirkt die ursprüngliche Entscheidung von Dooley's alles andere als aus der Luft gegriffen. Der Trend zu bewussterem Alkoholkonsum ist ungebrochen: Immer mehr Menschen greifen zu alkoholfreien oder pflanzenbasierten Alternativen, wo früher selbstverständlich klassisch gegriffen wurde.

Hinzu kommt ein Argument, das oft übersehen wird: Laktoseintoleranz. Nach Angaben der AOK sind schätzungsweise 15 bis 20 Prozent der Menschen in Deutschland laktoseintolerant. Das ist keine kleine Randgruppe, sondern ein zweistelliger Prozentsatz der potenziellen Kundschaft – und ausgerechnet ein klassischer Sahnelikör ist für diese Gruppe schlicht keine Option. Rein rechnerisch hätte eine laktosefreie, pflanzenbasierte Rezeptur also eigentlich ein zusätzliches Marktsegment öffnen sollen, statt es zu verkleinern.

3. Der Conalco-Selbsttest: Blindverkostung vegan gegen nicht-vegan

Um der Frage „schmeckt man den Unterschied überhaupt?“ nachzugehen, haben wir im Büro eine kleine Blindverkostung gemacht. Vier Personen probierten die vegane und die nicht-vegane Variante, ohne zu wissen, welches Glas welches Produkt enthält. Gefragt wurde: Wurde die vegane Variante erkannt? Wie ähnlich sind sich beide Produkte auf einer Skala von 1 (keine Ähnlichkeit) bis 10 (komplett identisch)? Und welches Produkt hat besser geschmeckt?

Person Vegan erkannt? Ähnlichkeit (1–10) Was schmeckt besser?
Person 1 Nein 6–7 Vegan
Person 2 Ja 10 Kein Unterschied
Person 3 Nein 8 Vegan
Person 4 Ja 9 Normal

Das Ergebnis überrascht: Zwei von vier Personen haben die vegane Variante gar nicht als solche erkannt, und die durchschnittlich empfundene Ähnlichkeit liegt bei über 8 von 10 Punkten. Beim Geschmack gab es sogar eine leichte Tendenz zugunsten der pflanzenbasierten Variante. Unsere kleine, nicht repräsentative Stichprobe deckt sich damit überhaupt nicht mit der Erzählung, dass Plant-based-Cremeliköre geschmacklich klar unterlegen seien.

4. „Schmeckt gleich“ – stimmt das wirklich?

Waldemar Behn selbst betont, dass die Original-Rezeptur international nie umgestellt wurde und die Marke nun wieder einheitlich auftreten soll – die Aussage zielt eher auf Markenkonsistenz als auf einen direkten Geschmacksvergleich ab. Schaut man sich Kundenrezensionen zur veganen Variante an, zeigt sich ein durchaus gemischtes, aber keineswegs eindeutig negatives Bild.

Auf der positiven Seite finden sich Stimmen wie diese: „Sehr, sehr lecker, absolut zu empfehlen! Die vegane Version ist um Längen besser als alles, was ich jemals auf nicht-pflanzlicher Basis getrunken habe. Überhaupt kein Vergleich.“ Andere Rezensionen beschreiben den pflanzenbasierten Likör als „samtig und cremig“ und vergleichen ihn geschmacklich mit flüssigem Karamell – „wie Werther's Echte in Flüssig, nur besser“, wie es in einer Bewertung heißt.

Andere Kundinnen und Kunden sehen das differenzierter: Eine Rezension bedauert, dass zeitweise nur noch die vegane Variante erhältlich war, weil „das Cremige leider verloren gegangen“ sei – im direkten Vergleich zum klassischen Sahnelikör fehle also durchaus etwas. Auch das Spirituosen Journal kam in seinem Test des Dooley's The Yellow One (der veganen Eierlikör-Alternative) zu einem gemischten Fazit: 3 von 5 Sternen, weil die übliche Wärme und Seidigkeit eines klassischen Eierlikörs komplett ausbleibe, obwohl die Cremigkeit an sich durchaus überzeuge.

Die ehrliche Antwort lautet also: Es kommt auf das Produkt und die Erwartungshaltung an. Wer eine 1:1-Kopie des Originals erwartet, wird kleinere Unterschiede finden. Wer offen an ein eigenständiges Produkt herangeht, wird – wie unser Büro-Test zeigt – häufig positiv überrascht.

5. Die unbequeme Frage: Wie notwendig ist Kuhmilch eigentlich?

Ein Aspekt, der in der ganzen Debatte selten offen angesprochen wird: Sahne und Milch als Zutat setzen eine Milchproduktion voraus, die auf der fortlaufenden Trächtigkeit von Kühen basiert. Konkret läuft das in der konventionellen Milchwirtschaft meist so ab: Kühe werden künstlich besamt, kalben und geben danach rund zehn Monate lang Milch. Damit die Milchleistung nicht abreißt, werden sie bereits während dieser Laktationsphase – üblicherweise etwa zwei bis drei Monate nach der Geburt – erneut besamt, sodass sich ein Rhythmus von etwa einem Kalb pro Jahr ergibt. Die Kälber werden dabei in der Regel schon kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt, da die Milch für den Verkauf bestimmt ist. Wie die Tiere dazwischen gehalten werden – Weidehaltung, Freilaufstall oder Anbindehaltung – variiert stark je nach Betrieb. Das soll hier nicht moralisch bewertet werden, aber es lohnt sich, den Ablauf zur Kenntnis zu nehmen und sich zu fragen: Ist diese Art der Rohstoffgewinnung für ein Genussprodukt wie einen Cremelikör wirklich unverzichtbar, wenn pflanzliche Alternativen technisch längst möglich sind und – wie unser Test zeigt – geschmacklich durchaus konkurrenzfähig sein können?

6. Ist die Kritik an Plant-based nur Bauchgefühl?

Ein Video, das Focus Online aufgegriffen hat, bringt diese Debatte auf den Punkt. Eine Reporterin fragte Wiesn-Besucherinnen und -Besucher, ob sie eher alkoholfreies oder veganes Bier bevorzugen würden – und erntete teils deutliche Abwehrreaktionen gegen „veganes“ Bier. Das Pikante daran: Bier ist, abgesehen von wenigen Ausnahmen bei der Klärung, ohnehin fast immer vegan. Die Frage war also eigentlich gar keine echte Wahl – und trotzdem löste allein das Wort „vegan“ bei vielen eine ablehnende Reaktion aus.

Genau dieses Muster lässt sich auch bei Dooley's beobachten. Unser Blindtest zeigt: Ohne das Wissen, welches Glas die vegane Variante enthält, fällt die Bewertung deutlich positiver aus als es das allgemeine öffentliche Bild vermuten lässt. Ein Teil der Kritik an pflanzenbasierten Produkten scheint also weniger am tatsächlichen Geschmack zu liegen als an der bloßen Erwartungshaltung, die das Label „vegan“ auf der Flasche auslöst.

7. Fazit

Die Entscheidung von Waldemar Behn, Dooley's in Deutschland wieder auf die klassische Sahne-Rezeptur umzustellen, ist wirtschaftlich nachvollziehbar – wenn die Umsätze nicht mitziehen, muss ein Unternehmen reagieren. Ob die ursprüngliche Umstellung auf Plant-based aber tatsächlich „zu früh“ kam, ist eine andere Frage. Der Trend zu bewussterem Konsum ist real, die Zielgruppe der Laktoseintoleranten ist mit 15 bis 20 Prozent alles andere als klein, und unser eigener Blindtest zeigt, dass der Geschmacksunterschied für viele kaum wahrnehmbar ist. Vieles spricht dafür, dass hier nicht das Produkt, sondern das Label „vegan“ selbst das eigentliche Problem war – ähnlich wie beim veganen Bier auf dem Oktoberfest, das eigentlich längst vegan ist. Ob Dooley's mit dem Rückzug auf lange Sicht die richtige Entscheidung getroffen hat, wird sich zeigen – verpasst wurde damit aber möglicherweise die Chance, einen wachsenden Markt aktiv mitzugestalten, statt ihn wieder zu verlassen.