Was ist London Dry Gin?

Trotz des Namens muss ein London Dry Gin nicht aus London stammen. Der Begriff ist eine gesetzlich geschützte Kategorie – und beschreibt eine bestimmte Herstellungsweise, keine Herkunft.

Die Regeln des London Dry

Damit ein Gin offiziell als „London Dry" bezeichnet werden darf, müssen strenge EU-Vorschriften eingehalten werden:

  • Alle Aromen und Botanicals müssen ausschließlich durch Destillation ins Produkt kommen
  • Kein künstliches Aroma darf zugesetzt werden
  • Kein Farbstoff ist erlaubt
  • Nach der Destillation darf kein Zucker hinzugefügt werden (lediglich eine minimale Menge zur Abrundung ist erlaubt)
  • Der Wacholdergeschmack muss klar dominieren

Wie schmeckt London Dry Gin?

London Dry Gins sind bekannt für ihren trockenen, klaren und klassischen Charakter. Im Vordergrund steht immer die Wacholderbeere – ergänzt durch Zitrus, Koriander und Angelikawurzel. Der Geschmack ist präzise, ausgewogen und elegant.

Typische Beispiele: TanquerayBeefeaterBombay SapphireFinsbury

Ideal für: Gin Tonic mit klassischem Tonic Water, Martini, Negroni

Was ist New Western Gin?

Der New Western Gin – auch Contemporary Gin oder New Wave Gin genannt – ist keine gesetzlich definierte Kategorie, sondern ein Stilbegriff, der sich seit den 2000er Jahren etabliert hat. Er steht für eine neue Generation von Destillateuren, die traditionelle Regeln bewusst hinterfragen.

Das Prinzip des New Western

Beim New Western Gin steht nicht der Wacholder im Mittelpunkt – sondern Kreativität. Destillateure verwenden ungewöhnliche Botanicals wie:

  • Gurke, Rosen oder Lavendel
  • Yuzu, Bergamotte oder Blutorangen
  • Kubebenpfeffer, Kardamom oder Ingwer
  • Lokale Kräuter, Blüten und Früchte

Wacholder ist zwar meist noch vorhanden – tritt aber als einer von vielen Akteuren auf, nicht als Hauptdarsteller.

Wie schmeckt New Western Gin?

New Western Gins sind oft floraler, fruchtiger oder würziger als ihre klassischen Pendants. Manche erinnern fast an Kräuterliköre, andere überraschen mit exotischen Aromen. Die Bandbreite ist riesig – was sie spannend, aber auch schwer einzuschätzen macht.

Typische Beispiele: Aviation GinMonkey 47Brockmans Gin  & Hendricks

Ideal für: Experimentelle Gin Tonics, Cocktails mit frischen Zutaten, Pur auf Eis

London Dry vs. New Western: Der direkte Vergleich

Merkmal London Dry Gin New Western Gin
Wacholder Dominiert den Geschmack Einer von vielen Botanicals
Geschmacksprofil Trocken, klassisch, klar Fruchtig, floral, experimentell
Herstellung Streng reguliert Freier, kreativer
Regelwerk EU-rechtlich definiert Kein offizielles Regelwerk
Zielgruppe Gin-Klassiker-Liebhaber Entdecker & Experimentierfreudige
Cocktail-Eignung Martini, Negroni, G&T Signature Cocktails, G&T mit Twist

Welcher Gin-Stil ist besser?

Die kurze Antwort: Keiner. Beide Stile haben ihre Berechtigung – und ihren Platz im Regal.

Wer den klassischen Gin-Charakter liebt, der wird mit einem guten London Dry immer glücklich. Wer hingegen neue Aromen entdecken und seinen Gin-Horizont erweitern möchte, kommt am New Western Gin nicht vorbei.

Eine gute Faustregel:

  • Einsteiger starten am besten mit einem London Dry – er ist verlässlich, vielseitig und leicht zu kombinieren.
  • Neugierige greifen zum New Western – und entdecken, wie vielschichtig Gin wirklich sein kann.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Ist Hendrick's ein London Dry Gin?

Nein – Hendrick's gilt offiziell als Scottish Gin und wird oft dem New Western Stil zugeordnet, da Gurke und Rose als prägende Aromen dienen.

Muss ein London Dry Gin aus England kommen?

Nein. Der Begriff beschreibt eine Herstellungsmethode, keine geografische Herkunft. London Dry Gins werden weltweit produziert.

Was ist der Unterschied zwischen New Western und Flavoured Gin?

New Western Gins entwickeln ihre Aromen durch Destillation mit Botanicals. Flavoured Gins hingegen erhalten ihre Geschmacksnoten oft durch nachträgliche Zugabe von Aromen oder Fruchtextrakten.

Kann ich London Dry und New Western Gin im Cocktail austauschen?

Grundsätzlich ja – aber der Geschmack verändert sich deutlich. Ein Negroni mit einem floralen New Western Gin schmeckt ganz anders als mit einem klassischen London Dry.


Fazit

London Dry und New Western Gin stehen für zwei Philosophien des Gin-Machens: Tradition vs. Kreativität, Klarheit vs. Komplexität, Klassik vs. Moderne. Wer beide Welten kennt, versteht Gin wirklich – und hat garantiert mehr Freude beim nächsten Einkauf.

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