Die zwei Grundstile: Ruby und Tawny
Rote Portweine lassen sich zwei Reifestilen zuordnen. Ruby-Portweine reifen weitgehend ohne Sauerstoffkontakt in großen Holzfässern oder Tanks. Sie behalten ihre tiefrote Farbe und ihre frische, dunkle Frucht. Auch der Late Bottled Vintage gehört zu diesem Stil. Tawny-Portweine reifen dagegen in kleineren Eichenholzfässern, durch deren Poren langsam Sauerstoff dringt. Dabei entwickeln sie Noten von Nüssen, Gewürzen und Trockenfrüchten, und ihre Farbe wandelt sich mit zunehmender Reife von Ziegelrot zu Bernstein.
Daneben gibt es White Port aus weißen Rebsorten und den jüngsten Stil, den Rosé Port. Alle Sorten sind Likörweine mit einem Alkoholgehalt von meist 19 bis 20 % vol. Warum sie aus dem Douro-Tal stammen müssen, lesen Sie in unserem Beitrag zur geschützten Ursprungsbezeichnung Portwein.
Ruby
Geschmack: Jung, fruchtig und ausgewogen mit Aromen von roten Früchten, Pflaumen, Kirschen und Erdbeeren.
Besonderheit: Ruby ist der klassische Einstieg in die Welt des Portweins. Er reift meist zwei bis drei Jahre in großen Holzfässern oder Tanks, behält dadurch seine tiefrote Farbe und kommt trinkfertig in die Flasche. Dekantieren ist nicht nötig.
Serviervorschlag: Leicht gekühlt bei 14 bis 16 °C zu vollmundigen und cremigen Käsesorten, Schokoladendesserts oder Obsttorten.
Unser Tipp: Der Sandeman Ruby Porto (19,5 % vol) stammt aus dem traditionsreichen Haus Sandeman, gegründet 1790, und reift in Eichenfässern in den historischen Kellern von Vila Nova de Gaia. Im Glas zeigt er ein brillantes Rubinrot und ein klares Aroma von roten Früchten, Pflaumen und Erdbeeren. Am Gaumen ist er reichhaltig und ausgewogen mit Noten frischer Pflaumen.
Late Bottled Vintage (LBV)
Geschmack: Dicht und samtig mit reifen Schwarzkirschen, Pflaumen und dunklen Beeren, oft begleitet von einem Hauch Lakritz. Feines Tannin und ein langer, fruchtiger Abgang.
Besonderheit: Ein LBV stammt aus einem einzigen Jahrgang und reift vier bis sechs Jahre im Holzfass, bevor er abgefüllt wird – daher der Name „spät abgefüllter Jahrgang“. So bietet er viel vom Charakter eines Jahrgangsportweins, ist aber schon beim Kauf trinkreif. Die meisten LBVs werden gefiltert abgefüllt und müssen nicht dekantiert werden.
Serviervorschlag: Bei 16 bis 18 °C in einem bauchigen oder tulpenförmigen Glas zu gereiftem Blauschimmelkäse, Hartkäse, Bitterschokolade oder Beerentartes.
Unser Tipp: Der Taylor’s Late Bottled Vintage Port 2019 (19 % vol) wird aus den klassischen Douro-Rebsorten Touriga Nacional, Touriga Franca, Tinta Roriz, Tinta Barroca und Tinto Cão erzeugt. Er überzeugt mit intensiver dunkler Frucht und ausgewogener Struktur und eignet sich auch hervorragend als Geschenk.
Tawny
Geschmack: Weich und elegant mit Noten von Nüssen, Gewürzen, Karamell und Rosinen.
Besonderheit: Die Reife in Eichenholzfässern unter Sauerstoffeinfluss verleiht dem Tawny seine typischen nussigen Aromen. Jüngere Tawnys zeigen noch einen rötlichen Farbton, der mit längerer Fassreife in Bernstein übergeht. Ein Tawny ist eine Cuvée aus mehreren Jahrgängen.
Serviervorschlag: Bei 16 bis 18 °C pur genießen, an warmen Tagen gern auch etwas kühler. Passt zu Apfelkuchen, Crème brûlée, gerösteten Mandeln und eignet sich auch als Basis für Cocktails.
Unser Tipp: Der Ferreira Tawny Porto (19,5 % vol) stammt aus einem der traditionsreichsten Portwein-Häuser, gegründet 1751. Er verbindet einen rötlichen Farbton mit Noten von Nüssen und Gewürzen aus der Reife im Eichenholzfass.
White Port
Geschmack: Je nach Stil von trocken bis süß, mit Aromen von Blumen, tropischen und weißen Früchten sowie einem frischen Spiel von Süße und Säure.
Besonderheit: White Port wird aus weißen Rebsorten wie Malvasia Fina, Viosinho, Códega und Gouveio erzeugt und zeigt eine hell- bis goldgelbe Farbe. Die Süßegrade reichen von Extra Dry bis zum sehr süßen Lágrima.
Serviervorschlag: Gut gekühlt bei 6 bis 10 °C als Aperitif, zu frischen Salaten oder tropischen Desserts. Ein Klassiker ist der Portonic: White Port mit Tonic Water, Eis und einer Zitronenscheibe.
Unser Tipp: Der Calem Fine White Portwein (19,5 % vol) stammt aus dem 1859 gegründeten Portweinhaus Calem. Er reift in einer Kombination aus Eichen- und Edelstahlfässern und bewahrt so seine Frische. Im Glas zeigt er eine goldgelbe Farbe und Aromen von Blumen und tropischen Früchten, am Gaumen ein ausgeglichenes, leicht fruchtiges Profil – pur ebenso wie als Basis für Cocktails.
Rosé Port
Geschmack: Frisch und fruchtig mit Noten von Erdbeere, Himbeere und Kirsche, oft ergänzt durch einen Hauch Grapefruit.
Besonderheit: Die jüngste Kategorie ist seit 2008 offiziell zugelassen. Rosé Port wird ähnlich wie Ruby hergestellt, der Most bleibt jedoch nur so lange auf den Traubenschalen, bis er eine rosa Farbe angenommen hat.
Serviervorschlag: Gut gekühlt, auf Eis oder als Basis für sommerliche Cocktails.
Unser Tipp: Der Dalva Rosé Port (19 % vol) bietet eine kräftige, natürliche Süße mit Aromen von Erdbeeren, Himbeeren und Waldfrüchten, dazu Kirsche und Grapefruit – ein idealer Sommerbegleiter.
Die Portwein-Kategorien im Vergleich
| Kategorie | Geschmack | Trinktemperatur | Beispiel |
| Ruby | Fruchtig und ausgewogen, rote Früchte, Pflaumen, Kirschen, Erdbeeren | 14–16 °C | Sandeman Ruby Porto |
| LBV | Dicht und samtig, Schwarzkirschen, Pflaumen, dunkle Beeren, Lakritz | 16–18 °C | Taylor’s LBV 2019 |
| Tawny | Weich und elegant, Nüsse, Gewürze, Karamell, Rosinen | 16–18 °C | Ferreira Tawny Porto |
| White | Leicht und fruchtig, Blumen, tropische Früchte, ausgewogene Süße | 6–10 °C | Calem Fine White Portwein |
| Rosé | Frisch und fruchtig, Erdbeere, Himbeere, Kirsche, Grapefruit | Gut gekühlt | Dalva Rosé Port |
Haltbarkeit nach dem Öffnen
Wie lange eine geöffnete Flasche Portwein hält, hängt von der Kategorie ab. Tawnys sind durch ihre Fassreife bereits an Sauerstoff gewöhnt und bleiben gut verschlossen und kühl gelagert oft mehrere Wochen aromatisch. Ein gefilterter LBV ist auf diese Weise etwa zwei bis drei Wochen genussfähig, ein Ruby ähnlich lange. White und Rosé Port sollten im Kühlschrank stehen und zügig getrunken werden.
Häufige Fragen zu Portwein-Sorten
Welche Portwein-Sorten gibt es?
Zu den bekanntesten Kategorien zählen Ruby und Late Bottled Vintage (LBV) aus der Ruby-Familie, Tawny als holzgereifter Stil sowie White und Rosé Port.
Was ist der Unterschied zwischen Ruby und Tawny?
Ruby reift weitgehend ohne Sauerstoffkontakt und bleibt tiefrot und fruchtig. Tawny reift in Eichenholzfässern unter Sauerstoffeinfluss und entwickelt nussige und würzige Aromen.
Was bedeutet LBV bei Portwein?
LBV steht für Late Bottled Vintage: ein Portwein aus einem einzigen Jahrgang, der vier bis sechs Jahre im Fass reift und dadurch früher trinkreif ist als ein klassischer Vintage Port.
Muss Portwein dekantiert werden?
Ruby, Tawny, White, Rosé und gefilterte LBVs müssen nicht dekantiert werden. Es genügt, den Wein kurz im Glas atmen zu lassen.
Welcher Portwein eignet sich für Einsteiger?
Ein Ruby oder ein Tawny ist ein guter Start. Wer es frisch mag, probiert White Port als Portonic oder Rosé Port auf Eis.
Fazit
Die Vielfalt der Portwein-Kategorien folgt einem klaren Prinzip: Ruby und LBV setzen auf Frucht und Kraft, Tawny auf Holzreife und nussige Aromen, White und Rosé Port auf Frische.









